Dez 9 2009

Abenteuerurlaub am Great Barrier Reef, Australien

Heron Island, der Traum aller Sporttaucher

Zwanzig Stunden Flug von Deutschland nach Brisbane/Australien sind in den engen Sesseln der Touristenklasse des Quantas-Jets für 184 cm Körperlänge wahrlich kein erholsames Erlebnis. Nach der Ankunft in Brisbane ging es auch gleich noch weiter in einer Fokker-Friendship, mit der der Pilot seinen wenigen Passagieren wohl in freier Kür das Können aus seiner Zeit als Kunstflieger demonstrierte. Nach diesem fragwürdigen Kunstflug kam dann doch noch das schönste der Fluganreise nach Heron-Island nämlich der Helikoptertransfer von Gladstone zur Insel, bei der die bloße Erwähnung des Namens alle Taucherherzen höher schlagen: HERON-ISLAND.

Wie ein Smaragd tauchte sie plötzlich aus dem türkisfarbenen Wasser der Coral-Sea vor uns auf. Nach einer Runde um dieses kleine Island setzte der Pilot sanft auf der direkt am Strand gelegenen Plattform auf. Nach dem freundlichen Empfang durch eine Vertreterin des inseleigenen Hotelbetriebes wurden wir zu den kleinen Holzhütten geleitet, die für die nächsten 10 Tage unsere Unterkunft sein sollten. Eine brütende Hitze stand in dem einzigen Raum dieses Quartieres und die 6 Betten, einige kleine Schränke und ein Tisch gaben uns bereits beim Betreten der Hütte eine Ahnung von der Beengtheit des Raumes. Aber, wir würden wohl ohnehin die meiste Zeit entweder unter Wasser, am Strand oder in der Füllstation für Pressluftflaschen verbringen.

Überraschung dann am Abend als wir den im tropischen Baustil errichteten Speisesaal betraten. Freundliche Bedienungen in bunten, luftigen Baumwollkleidchen waren ständig damit beschäftigt die Köstlichkeiten an dem riesigen Buffet nachzufüllen, auf dem solche lukullischen Genüsse wie Hummer, Kaviar, Thunfisch und selbst Austern zu finden waren. Alle tropischen Obstsorten die Australien zu bieten hat waren hier dekorativ um eine riesige in einer Kühlschüssel angerichteten Eisbombe verteilt. Recht nobel fanden wir dieses nicht erwartete Speisenangebot.

Am nächsten Tag dann kurz nach dem Frühstück, Empfang der Tauchausrüstung und erste Ausfahrt an die Riffkante. In Dreiergruppen tauchten wir in eine Welt, wie sie aus unserer Gruppe vorher noch niemand gesehen hatte. Wir kannten die Unterwasserlandschaften unserer heimischen Seen, Talsperren und auch die “Höhepunkte” vollgelaufener Steinbrüche brachten uns den einen oder anderen Tauchgenuss. Was sich hier jedoch vor unseren Augen auftat war grandios, überwältigend, ja auch unbeschreiblich. Kein Maler hätte jemals ein Bild mit der farblichen Leuchtkraft und Intensität malen können, wie dieses Bild der Unterwasserlandschaft, welches sich nun in nur etwa 6 m Tiefe vor unseren Augen befand. Achtlos baumelte die Unterwasserkamera an meinem Tauchanzug. Mit der Fototechnik wollte ich mich bei diesem ersten Unterwasserspaziergang durch die Korallengärten dieser bezaubernden Rifflandschaft nicht beschäftigen. Erst einmal alles anschauen, staunen und überwältigt ob der Schönheit dieser Fauna immer wieder vor einem riesigen, farbenfrohen Korallenstock verharren. Viel zu schnell verging diese erste Erkundung und der Blick auf den Druckanzeiger mahnte uns daran wieder an die Oberfläche zurückzukehren. Abends dann an der zum Pazifik offenen Bar überschlugen wir uns bei den Schilderungen des am Tage unter Wasser Erlebten.

Chelonia mydas

Chelonia mydas

Am nächsten Tag war eine Inselführung verabredet. Obwohl man dieses bezaubernde Island gemächlichen Schrittes in ca. 30 Minuten umrundet hat, gibt es doch so einiges zu sehen. Da ist zunächst einmal die Forschungsstation, in der australische Wissenschaftler u. a. die Beschaffenheit des Riffes, Umwelteinflüsse, die bei der großflächigen Zerstörung des Korallenriffes eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, Klima und Meeresströmungen, Fischpopulationen und ähnliches ermitteln und auswerten. Diesen Frauen und Männern bei ihren Erläuterungen zu folgen gleicht einer erfreulichen Demonstration fundierten Wissens über eine pazifischen Unterwasserwelt in deren Verlauf man spürt, wie diese Leute ihren Job lieben, ja wie verwurzelt sie in dieser Materie sind, in der sie mit Liebe, Begeisterung und Hinwendung zur Natur arbeiten und forschen.

Die Technikstation wird uns von einem vor langer Zeit nach Australien ausgewanderten deutschen Ingenieur erklärt. Wir erfahren, dass das Trinkwasser auf der Insel ausschließlich aus Meerwasser gewonnen und dass der anfallende Müll in Verbrennungsöfen fast schadstofffrei entsorgt wird. Da versteht es sich fast schon von selbst, dass auch der Strom von riesigen, selbstverständlich schallgedämpften Generatoren für die Inselgäste und die wenigen Inselbewohner, die ausnahmslos zum Personal zählen in eigener Regie erzeugt wird.

Auf unserem Rundgang hören und sehen wir prächtige tropische Vögel, betrachten die auf der Insel wie Buschwerk wachsenden kleinen Palmen, bestaunen liebliche Buchten, derer es so viele gibt, dass wohl jeder Gast seine eigene zur Verfügung hätte. Aber wir sind ja zum Tauchen hier.

Am nächsten Tag geht es wieder mit dem Boot zur Riffkante und hinab in eine Welt die so verzaubert und still im Bereich des Saumriffes liegt. Mit zunehmender Tiefe erkennen wir die Farben der Korallen, Anemonen und der Fische erst dann, wenn wir den Lichtkegel unserer Halogenscheinwerfer auf Riffbewohner- und Strukturen richten. Wenige Meter von der steilabfallenden Wand sehen wir Meeresschildkröten, Kaiserfische und viele andere bunte Bewohner die teilweise in Symbiose in den mit langen Tentakeln bewehrten Anemonen leben. Jetzt werden natürlich auch unsere Kameras mit den starken Scheinwerfern in Betrieb genommen und im Umkreis von ca. 50-60 Metern sieht man an den die Leuchtfinger der Halogenlampen wo sich der Rest unseres Tauchteams gerade aufhält. Klar dass auch an diesem Abend der Geräuschpegel in der Bar durch den Erfahrungsaustausch der Taucher merklich angehoben wird.

Schnell vergehen die Tage in diesem kleinen Paradies und irgendwann steht er dann auch bevor, unser letzter Tauchgang. Fast mit Andacht überprüfen wir nochmals den technischen Zustand unserer Ausrüstung, darauf achtend dass dies nicht zu schnell geschieht. Wir alle würden am liebsten die Zeit anhalten, möchten nicht daran denken, dass wir bereits morgen schon wieder auf dem Weg nach Deutschland sind. Frank, sonst immer zu einem munteren Schwätzchen und immer für einen Scherz gut, ist heute schweigsam und bringt nur das allernötigste und das auch noch mürrisch über die Lippen. Erst auf dem Rückflug sollten wir erfahren was ihn denn in diese trübselige Stimmung versetzt hat. Am Vorabend unseres letzten Tauchganges hatte er sich wohl recht stürmisch in eine der hübschen jungen Damen vom Restaurant verliebt. Die Gute hatte ihm dann zu nächtlicher Stunde die Geheimnisse der tropischen Insel recht gekonnt erläutert und nun hatte ihn der Liebeskummer bereits heftig im Griff.

Doch nun erst einmal wieder hinab in die uns inzwischen so vertraute Welt des letzten noch lebenden Korallenriffs der Welt. Einen besonderen Leckerbissen hatte unser Guide für diesen Abschiedstauchgang für uns aufgehoben. In etwa 35 m Tiefe öffnete sich das Riff auf einer Breite von ca. sechs und einer Höhe von ungefähr 8 Metern. In der Öffnung stand ein riesiger Korallenstock den man erst umschwimmen musste, wenn man in die etwa 15 Meter tiefe Höhle hinein tauchen wollte. Hier unten war es wie in einer barocken Kirche die in ein diffuses, geheimnisvolles Licht getaucht war. Die Korallen an den Wänden wirkten bei Anstrahlung mit den Scheinwerfern auf uns wie ein Fresko eines begabten Kirchenmalers und das Ende der Höhle war ausgefüllt mit einer riesigen Fächerkoralle die uns, mit ein wenig Phantasie betrachtet, wie ein Altar erschien. Dazu die Rifffische die wieselflink vor unseren Tauchermasken umher wirbelten, wohl aufgescheucht durch die plötzliche Anwesenheit der Taucher. Hier bekamen wir auf einmal auch das Gefühl von großer Ehrfurcht vor der grandiosen, einmaligen Schönheit der Natur. In dieser “Unterwasserkirche” blieben wir solange es der Tauchgang innerhalb der Nullzeit zuließ. (Nullzeit: Tauchzeit ohne Dekompressionspause[i]) Beim Verlassen der Höhle fuhr uns dann allen noch ein gehöriger Schreck in die Glieder. Vor uns in ca. 5 m Entfernung stand ein gewaltiger Hammerhai, stierte uns nur in Sekundenbruchteilen an, drehte dann fast auf dem “Teller” und verschwand in den Tiefen der Riffgewässer. Diese Begegnung hatte uns, wohl aber auch den Hai kurzzeitig aus der Fassung gebracht.

Der letzte Abend: Abschiedstrunk in “unserer” Bar. Warum war denn verdammt nochmal gerade an diesem Abend der Sonnenuntergang so dramatisch schön? Das Bier war lauwarm, (oder empfanden wir es nur so?) Der Rum wollte auch nicht schmecken. Die Vögel sangen heute nicht so schön, der Wind, den wir sonst immer als wohltuende, Kühlung bringende Brise empfunden hatten war heute lästig und überhaupt freuten wir uns ja eigentlich darüber, dass wir bald schon wieder in unserem geliebten, herbstlich kalten, regnerischen und trübsinnigen deutschen November hineinfliegen konnten. Doch jeder nahm an diesem Abend dann schließlich auf seine Weise Abschied von der uns doch so ans Herz gewachsenen Insel. Jeder ging zu “seinem” persönlichen Lieblingsplatz und verbrachte dort ein bis zwei Stunden, verharrte dort bis auch das letzte Licht der Tropensonne über der Korallensee verloschen war. Nur Frank blieb etwas länger. Am nächsten morgen der Gang zum Helikopter. Nun waren alle vom Abschiedsschmerz berührt und wurden nur durch die filmreiche Kussszene an der Einstiegsluke am Heli von Frank und seiner Schönen ein wenig abgelenkt. Dann, ein letzter Blick auf Heron-Island, der Insel der wir unsere schönsten Urlaubserinnerungen widmen werden, ein Blick noch auf das Saumriff und es größte mit dem Blinkern der Brandung zu uns hinauf, bevor der Helikopter wieder Kurs auf Gladstone nahm.


[i] Pause während des Aufstiegs zur Oberfläche.


Jul 15 2008

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